
Erscheinungsjahr 1902
Verlag Stuttgart, Deutsches Volksblatt,
Beschreibung Einband berieben, bestoßen und mit Verlust von Teilen des Überzugspapiers und des Rückenschilds. Handschriftliche Besitzervermerke auf Vorsatz. Durchgehend fleckig. Papierbedingt gebräunt. Gutes Leseexemplar. "Matthias Erzberger (* 20. September 1875 in Buttenhausen, Königreich Württemberg; † 26. August 1921 bei Bad Griesbach im Schwarzwald) war Publizist und Politiker (Zentrum) im Deutschen Kaiserreich und in den ersten drei Jahren der Weimarer Republik. Als Bevollmächtigter der deutschen Regierung und Leiter der Waffenstillstandskommission unterzeichnete Erzberger 1918 das Waffenstillstandsabkommen von Compiègne, das den Ersten Weltkrieg formell beendete. Anschließend war er Reichsfinanzminister. Er wurde im Jahr 1921 von rechtsterroristischen Attentätern der Organisation Consul ermordet. Erzberger wurde als Sohn des Schneiders und nebenberuflichen Postboten Josef Erzberger und dessen Frau Katherina (geb. Flad) in Buttenhausen geboren. Die Bevölkerung des kleinen Ortes setzte sich etwa zur Hälfte aus Juden und Protestanten zusammen, die Familie Erzberger gehörte zu den wenigen katholischen Familien im Ort. Nach der Schulzeit in Bichishausen besuchte Erzberger zunächst die Präparandenanstalt in Schwäbisch Gmünd und dann das katholische Lehrerseminar in Saulgau, wo er 1894 die Volksschullehrerprüfung ablegte. Nach Tätigkeiten als Volksschullehrer in Marbach, Göppingen und Stuttgart begann er 1896 ein Studium des Staatsrechts und der Nationalökonomie in Freiburg im Üechtland, das er aber nicht abschloss, weil er im selben Jahr bereits als Redakteur für das katholische Deutsche Volksblatt in Stuttgart zu arbeiten begann. Gleichzeitig begann auch sein Engagement in katholischen Arbeitervereinen und in der Zentrumspartei. 1899 beteiligte sich Erzberger an der Gründung Christlicher Gewerkschaften. Im Jahre 1900 heiratete Erzberger in Rottenburg Paula Eberhard, die Tochter eines wohlhabenden Kaufmanns. Der Ehe entstammten zwei Töchter und ein Sohn. Der Sohn erkrankte 1918 als Soldat an der Spanischen Grippe und starb. Bereits 1903 wurde Erzberger als damals jüngster Abgeordneter für den Wahlkreis Württemberg 16 (Biberach, Leutkirch, Waldsee, Wangen) in den Reichstag gewählt und repräsentierte dort den neuen Typ des Berufspolitikers. Sein politischer Ziehvater war der Reichstagsabgeordnete Richard Müller. Gleich zu Beginn seiner politischen Karriere kritisierte Erzberger als kolonialpolitischer Sprecher seiner Fraktion scharf und teilweise gegen Parteifreunde die Kolonialskandale. Wenn er, nicht zuletzt mit Blick auf den Missionsgedanken, nicht grundsätzlich gegen Kolonisierungen eintrat, so mahnte er doch dabei auch die Rechte der Afrikaner zu berücksichtigen, die häufig Zwangsarbeit leisten mussten, und die zum Teil unmenschlichen Arbeitsbedingungen in den Kolonien schärfer zu kontrollieren. Damit trug er dazu bei, dass die Regierung Bülow im Streit um das Budget für den militärischen Einsatz in den Kolonien 1907 zurücktrat und es damit zu Neuwahlen des Reichstags (sog. „Hottentottenwahlen“) kam. Unter seiner Mitwirkung stürzten Deutschkonservative 1909 gemeinsam mit dem Zentrum die Regierung Bülows, da keine Einigung in der Frage der geplanten Erbschaftssteuer gefunden wurde, die erst 1919 von Erzberger als Finanzminister eingeführt werden konnte. Kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges übernahm Erzberger die Leitung der Auslandspropaganda des Deutschen Reiches und richtete einen Auslandsgeheimdienst ein. Als Sonderbotschafter bemühte er sich mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes und der Reichsregierung auf diplomatischer Ebene vergebens, Italien und Rumänien vom Kriegseintritt gegen die Mittelmächte abzuhalten. Erzberger (Mitte) als Mitglied der deutschen Waffenstillstandskommission mit General von Hammerstein und Unterstaatssekretär Langwerth von Simmern 1918 in Spa Erzberger auf dem Weg zu Waffenstillstandsverhandlungen, 16. Januar 1919 Im Verlauf des Weltkrieges war Erzberger neben Karl Liebknecht (bis 1916 Reichstagsabgeordneter der SPD) der einzige Politiker, der öffentlich die passive Haltung Deutschlands zur Politik des türkischen Verbündeten gegenüber der nichtmuslimischen Bevölkerung im Osmanischen Reich kritisierte, dabei vor allem den Völkermord an den Armeniern, die Verfolgung der Griechen und den Völkermord an den Aramäern. Er reiste mehrfach nach Konstantinopel zu Verhandlungen mit den jungtürkischen Machthabern. Im Sommer des Jahres 1916 beförderte Matthias Erzberger als Reichstagsabgeordneter des katholischen Zentrums – unterstützt von Nationalliberalen und selbst von einigen Sozialdemokraten – die parlamentarische Anfrage: „Wie viele Personen jüdischen Stammes stehen an der Front? Wie viele in den Etappen? Wie viele in Garnisonsverwaltungen, Intendanturen usw.? Wie viele Juden sind reklamiert bzw. als unabkömmlich bezeichnet worden?“ Wegen der Aktenverluste im Zweiten Weltkrieg lassen sich die Einzelheiten der Vorgeschichte nicht mehr klären, jedenfalls veranlasste der Kriegsminister zum Stichtag 1. November 1916 eine „Judenzählung“ im Heer. Tatsächlich dienten im Ersten Weltkrieg prozentual ebenso viele jüdische wie christliche Soldaten an der Front, entsprechend gleich war der Anteil der Gefallenen. Nachdem Erzberger im Weltkrieg anfänglich für einen „Siegfrieden“ eingetreten war, setzte er sich später für einen „Verständigungsfrieden“ ein. Am 6. Juli 1917 forderte er in einer Reichstagsdebatte, Deutschland müsse auf Annexionen verzichten. Am 19. Juli 1917 stimmte die Mehrheit des Reichstags der von ihm in diesem Sinne eingereichten Friedensresolution zu. Anfang Oktober 1918 ernannte der neue Reichskanzler Prinz Max von Baden Erzberger zum Staatssekretär ohne Portefeuille. Er wurde zum Leiter der Waffenstillstandskommission berufen und unterzeichnete auf Wunsch Paul von Hindenburgs am 11. November 1918 als erster der vierköpfigen deutschen Delegation den Waffenstillstand von Compiègne, der die Kampfhandlungen des Ersten Weltkrieges beendete. Im Januar 1919 wurde er in die Weimarer Nationalversammlung gewählt. Im Kabinett Scheidemann wurde er als Chef der Waffenstillstandskommission zum Reichsminister ohne Geschäftsbereich ernannt und hatte in dieser Funktion die Durchführung des Waffenstillstands zu überwachen. Weil er auch die Annahme des Versailler Vertrags befürwortete und damit in scharfen Gegensatz zu Reichsaußenminister Ulrich Graf von Brockdorff-Rantzau geriet, wurde er als Erfüllungspolitiker verunglimpft (siehe Dolchstoßlegende). Am 21. Juni 1919 wurde Erzberger Finanzminister unter Reichskanzler Gustav Bauer (Kabinett Bauer). Er baute die Steuerverwaltung neu auf und legte mit seinen Reformen – unter anderem der Einführung des direkten Lohnsteuerabzugs – die Grundlagen für das noch heute vorhandene deutsche Steuersystem. In seiner Reform der Reichsfinanzen 1919 schaffte er mit den Matrikularbeiträgen auch die finanzielle Abhängigkeit des Zentralstaats von den Ländern ab. Durch die stärkere Zentralisierung der Steuereinnahmen und die Belastung größerer Vermögen zur Sanierung der Reichsfinanzen wurde Erzberger noch mehr zur Zielscheibe und Hassfigur rechter Propaganda. Insbesondere sah er sich ständigen Angriffen des einstigen Staatssekretärs des Inneren, Deutsche-Bank-Repräsentanten und späteren DNVP-Abgeordneten Karl Helfferich ausgesetzt. Als dieser ihm in der Broschüre Fort mit Erzberger (1919) eine „unsaubere Vermischung politischer Tätigkeit und eigener Geldinteressen“ vorwarf, strengte Erzberger einen Prozess gegen Helfferich wegen Beleidigung an. Am 12. März 1920 gab das Gericht schließlich ein Urteil bekannt, in dem Helfferich zu einer geringen Geldstrafe verurteilt, seine Darstellung jedoch als teilweise zutreffend dargestellt wurde. Das Urteil gilt als bekanntes Beispiel für die in der Weimarer Republik typische politische Justiz der Richter, die oft „auf dem rechten Auge blind“ waren. Erzberger trat noch am Tag des Urteils (einen Tag vor Beginn des Kapp-Putsches) als Reichsfinanzminister zurück (Nachfolger: Joseph Wirth). Das Kabinett Bauer endete am 27. März 1920. Gedenkstein Erzbergers bei Bad Griesbach im Schwarzwald. Inschrift: Hier starb Matthias Erzberger Reichsfinanzminister am 26.8.1921 R*I*P Infolge der rechten Hetzpropaganda wurde Erzberger Opfer eines politischen Mordes (oft auch als „Fememord“ bezeichnet). Bereits am 26. Januar 1920 hatte der ehemalige Fähnrich Oltwig von Hirschfeld ein Schusswaffenattentat auf Erzberger verübt, als dieser das Gerichtsgebäude in Berlin-Moabit verließ. Erzberger wurde dabei leicht an der Schulter verletzt, eine zweite Kugel prallte an einem Metallgegenstand in seiner Tasche ab. Hirschfeld wurde nur zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Bei Erzberger hinterließ das Attentat einen tiefen Schock. Obwohl er versuchte, in die Politik zurückzukehren, fürchtete er die Folgen: „Die Kugel, die mich treffen soll, ist schon gegossen“, vertraute er seiner Tochter Maria an. Am 26. August 1921 passten die ehemaligen Marineoffiziere Heinrich Tillessen und Heinrich Schulz – beide Angehörige der rechten Organisation Consul, des Freikorps Oberland und des Germanenordens – Erzberger in Bad Griesbach im Schwarzwald bei einem Spaziergang mit seinem Parteifreund Carl Diez ab. Sie schossen sechsmal auf den Politiker, der gerade im Erholungsurlaub war. Schwer verletzt stürzte Erzberger eine Böschung hinab. Die Attentäter töteten ihn dann aus nächster Nähe mit zwei weiteren Schüssen in den Kopf; auch Diez wurde schwer verletzt. Ein Gedenkstein in einer Kehre der Bundesstraße 28 zwischen Bad Griesbach und Freudenstadt erinnert an diese Bluttat. Die Attentäter Heinrich Tillessen und Schulz konnten ins Ausland flüchten. 1933 kehrten sie aus Spanien nach Deutschland zurück, um nach einer Straffreiheitsverordnung der Nationalsozialisten Hindenburgs im März 1933 amnestiert zu werden, die bei Strafen für Verbrechen beim Aufbau des Nationalsozialismus galt. 1946 wurde gegen Tillessen wegen des Mordes prozessiert. Das Freiburger Landgericht sprach Tillessen unter Anwendung des Straffreiheitsverordnung von 1933 am 29. November 1946 frei. Dieses Urteil stieß in ganz Deutschland auf Protest. Es wurde von einem französischen Hohen Gericht Anfang Januar 1947 aufgehoben, das den Fall an die deutsche Justiz zurückverwies. Tillessen wurde dann im März 1947 von einem Konstanzer Landgericht zu 15 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Gegen den anderen Täter Heinrich Schulz verhängte das Landgericht Offenburg am 19. Juli 1950 eine Strafe von 12 Jahren Zuchthaus, wobei zwei Jahre Untersuchungshaft angerechnet wurden. Beide büßten davon aber nur einen geringen Teil ab und wurden schon 1952 entlassen." (Wikipedia)
Format 23 x 16 cm, Halbleinen ohne Schutzumschlag
Bestellnummer 15081
Sprache Deutsch
Seiten VII, 448 S.